| Dienstag, den 21. September 2010 um 19:51 Uhr | |||
Fastnacht 2010
Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist am schönsten im ganzen Land
Märchenhafte Fastnachtssitzung in ReckershausenEs war einmal… … ein großer, schlanker Prinz, der – auf einem Holzstecken mit Pferdekopf quer über die Bühne hoppelnd – sich theatralisch auf den Allerwertesten klopfte und dabei „Galoppi, galoppi“ wieherte! Nachdem er einige Pferdesprünge in dieser Manier vorgeführt hatte, wendete er sich der Menge zu und verkündete: „Hey,hoh. Ich bin Robin Hooooooooooooooooood“. Offenbar floss Pädagogenblut in den Adern des edlen Reiters oder er ging davon aus, dass die Reckerscher Narren schwerhörig seien. Denn kaum hatte er sich vorgestellt, fragte er oberlehrerhaft: „Wie heiße ich?“ „Robin Hut“ ertönte es unisono aus dem Publikum. „Nein, nein! Nicht Hut“, empörte sich der mittelalterlich gekleidete Prinz. Dann zügelte er zuerst sein imaginäres Pferd, anschließend sein überschäumendes Temperament und belehrte die Menge genervt: „Ich bin Robin Hooooooooooooooooood. Versteht Ihr? Nicht Huuuuut! Mit Gefühl bitte. Noch mal.“ Die Vorstellung Dirk Wickerts als schwuler Robin Hood verursachte beim Publikum der Reckershausener Fastnachtssitzung schallendes Gelächter, denn Wickert verkörperte die Rolle geradezu hollywoodreif. Seine drei Gespielen Kay mit Melanie Hilgert und Christina Wickert waren nicht minder gut. Ihre Rolle beschränkte sich jedoch vornehmlich auf das Einstecken von Schlägen – das aber meisterten sie mit Bravour. In dem Sketch, mit dem das Quartett die diesjährige Sitzung eröffnete, erschlug der edle Robin Hood früher oder später alle Reichen – und reich waren sie zum Schluss irgendwie alle… Während also die elend Erschlagenen sich, da mausetot, nicht rühren durften, verteilte Robin Hooooooooooooooooood – sozusagen als Draufgabe und über das Drehbuch hinaus – zusätzliche Hiebe auf deren Hinterteile. Der Spaß dieser sadistischen Rolle war dem Schauspieler im Gesicht abzulesen und übertrug sich eins zu eins aufs Publikum…
Nicht nur dieser Programmpunkt, die gesamte Sitzung war ein einziges Highlight – eine bunte Mischung aus Tanzeinlagen, Vorträgen und Musik. Die Tanzgruppe Konfetti, erstmals mit ihrer Tanzlehrerin Ramona Sabel auf der Bühne, hatte sich speziell zu diesem Anlass etwas einfallen lassen, aber auch die Tanzgruppen Jumaana aus Heinzenbach und das Männerballett aus Kümbdchen stellten ihr Können eindrucksvoll unter Beweis. Das Krampfadergeschwader, das zwischenzeitlich ein fester Bestandteil der Reckerscher Sitzung darstellt, hatte in diesem Jahr gleich mehrere Sketche eingeübt und bot sogar Gesangseinlagen. Die Familien Hebel & Roth erzählten – dieses Mal verstärkt von Ingo Eich – ein modernes Märchen im Stil eines Kasperletheaters. Und die Reckerscher Stadtmusikanten umrahmten den Abend musikalisch während Christina Wickert und Marita Michels wortgewaltig und schlagfertig durchs Programm führten. „Dat scheene an dä Räckerscher Fassenacht is“, urteilte ein närrischer Gast, „dat it so unkompliziert und locker is. Lo geht it nit so steif zu wie oft uf Prunksitzunge.“ „Unn oußerdem kann ma im Anschluss noch so richtisch gut feiere“, sagte er und ließ seinen Worten Taten folgen… Veranstalter des jährlich stattfindenden Festes ist der Förderverein Reckersche aktiv e.V. DieOrganisation lag federführend in den Händen des bewährten Trios Dietmar Schüler, Dirk Wickert und Marita Michels. Christina Wickert unterstützte dasTeam auch in diesem Jahr wieder tatkräftig und darf mittlerweile wohl als vierte Stütze des Trios gelten. Die Organisatoren betonen jedoch, dass ohne die zahlreichen Helfer für die Dekoration, Bedienung, Aufräumarbeiten, etc. ein solches Fest nicht möglich wäre. Ihnen allen kann gar nicht genug gedankt werden, denn nur durch deren freiwillige und selbstlose Hilfe findet die Reckerscher Fassenacht ihren Platz im Dorfleben…
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